*Kooperation mit GIN SUL*

Der sehnsüchtig-südliche Gin aus dem Norden Deutschlands – das ist Gin Sul. Wir haben Gründer Stephan Garbe zum Interview getroffen und ihm alle Fragen gestellt, die uns zu der Wacholderspirituose schon immer auf der Seele gebrannt haben.

Gründer Stephan Garbe

Herr Garbe was hat Sie dazu bewegt, Gin herzustellen und was haben Sie vorher gemacht?

Meine Liebe zu Portugal war der ausschlaggebende Punkt. Vor nicht ganz 15 Jahren hatten wir unser altes Wohnmobil, einen Mercedes 608D, nach Lissabon gebracht und in dem Garten der Eltern meines besten Freundes abgestellt. Fortan reisten wir nach Lissabon, wurden erst von Miguels Mama herzhaft bekocht und machten uns dann mit dem Womo auf, das Land zu erkunden. Die Natur, die Gerüche und die einfache portugiesische Küche hatten es mir sofort angetan. Abends an einem der rauen Atlantikstrände der Costa Vicentina stehen, den Sonnenuntergang genießen und dabei den Duft des Südens in der Nase – dieses Gefühl wollte ich in meinem Gin konservieren.

Ich hatte viele Jahre als Texter in der Dienstleistungsbranche gearbeitet und so unendlich viele gute Ideen sterben gesehen. Irgendwann habe ich für mich entschieden, selbst ein Unternehmen zu gründen und es besser zu machen.

In eigenen Worten: Was macht Ihren Gin SUL so besonders?

Wir versuchen den Duft des Südens im Norden zu destillieren, also einen sehr mediterranen Gin herzustellen. Hierfür bekommen wir wöchentlich 40 Kilo frische Zitronen aus der Algarve geliefert. Unbehandelt so wie der liebe Gott sie schuf. Zusammen mit anderen ausgewählten Botanicals werden die Schalen der Zitronen mazeriert und dann behutsam auf unserer Destillieranlage vergeistet.

Zistrose

Juniper

Wie sieht Ihr typischer Tagesablauf aus?

Beim Destillieren wird in aller Frühe die Anlage vorbereitet. Der Geistkorb wird mit frischen Botanicals gefüllt – Zitronenschalen, Rosmarin, Lavendelblüten und Bio-Rosenknospen. Dann wird die Brennblase mit dem Mazerat gefüllt, verschlossen und die Anlage wird aufgeheizt. Nach ca. einer Stunde beginnt die eigentliche Destillation – für mich gestern wie heute ein magischer Moment. Und dann braucht man Geduld und Ruhe. Nebenbei empfangen wir Besucher und kümmern uns um das, was in jeder kleinen Firma so anfällt. Und abends gibt’s ab und an einen Feierabend Gin Tonic – Qualitätskontrolle quasi.

Arbeiten Sie noch selbst produktiv an der „Manufaktur Ihres Gins“, wie Sie es so schön bezeichnen?

Arbeiten ja, ob das produktiv ist müssen andere bewerten. Aber Spaß beiseite – klar, ich bin jeden Tag da, auch wenn sich so langsam das Aufgabengebiet verschiebt. Mittlerweile haben wir zwei junge und leidenschaftlich gute Destillateure, die mir eine ganze Menge Arbeit abnehmen und sich mit eigenen Ideen einbringen.

Wieso haben Sie sich für die Methode der Dampfinfusion entschieden?

Wir destillieren mit auf einer 100 Liter Anlage von Arnold Holstein am Bodensee. Die Anlage verfügt über einen Geistkorb für die sog. Dampfinfusion, dabei der der heiße Alkoholdampf die wertgebenden Stoffe aus unseren frischen Zitronenschalen am besten herauslöst. Zusammen mit der Feinbrandkolonne, dem Dephlegmator und der Brennblase ergeben sich also streng genommen mehrere Destillationsvorgänge in einem Ablauf, die das optimale Ergebnis aus Qualität und Ausbeute ergeben.

Botanicals des GIN SUL

Kommen Ihre Botanicals aus der Region oder aus Portugal?

Die beiden wichtigsten Botanicals neben Wacholder kommen aus Portugal: die bereits erwähnten Zitronen und die Blätter der Lackzistrose, einer Pflanze, die auf den Steilklippen am Atlantik wächst und deren Duft so typisch für Portugal ist. Die anderen Botanicals kaufen wir in Bioqualität von dort zu, wo es die besten Qualitäten gibt.

Was unterscheidet einen richtig guten Gin von weniger hochwertigen Varianten?

Ich maße mir nicht an, über andere zu urteilen. Aber jedem Genießer sollte bewusst sein, dass ein Gin für 5,99 Euro aus dem Discounter bei einem Steueranteil von 4,37 € (Branntwein- und Mehrwertsteueranteil) nur noch 1,61 netto kostet – inkl. aller Händler und Herstellermargen, Transport, Herstellung, Flasche, Etikett und Vermarktung. Ein richtig guter Gin ist in jedem Fall destilliert, im Idealfall sogar im handwerklichen Maßstab und aus besten Zutaten hergestellt und nicht aus Wasser, Alkohol und künstlichen Aromen.

Wie hoch ist das Produktionsvolumen von Gin SUL?

Behutsam wachsend.

Wie bewerten Sie den weiteren Trend im Bereich „Gin“? Wird es weiter nach oben gehen für die Spirituose?

Alle Anzeichen deuten darauf hin. Das Comeback das Gins ist geglückt.

Und zum Schluss natürlich: Wie trinken Sie Ihren Gin am liebsten?

Am Liebsten mit einem Blick auf den Atlantik in Nelsons Beach Bar in Odeceixe. Im Hintergrund läuft Nina Simone und der Gin Tonic ist mit viel Liebe im Copa Glas angerichtet: gutes Eis, Gin Sul – mindestens 4 Cl (das muss ich sagen, ich bin schließlich Hersteller), ein vorgekühltes Premium Tonic aus kleinen Glasflaschen – bitte nehmen Sie keine PET-Literflaschen, die Kohlensäure entweicht zu schnell und zu guter Letzt eine Garnitur aus Orangen- oder Zitronenzeste – einfach herrlich! ‚Keine Termine und leicht Einen sitzen‘, um es mal mit Harald Juhnke zu sagen.